Was ist Inklusives Tauchen?
Inklusives Tauchen ist ein Tauchausbildungsprogramm, das darauf abzielt, Tauchen für Menschen mit unterschiedlichen körperlichen oder geistigen Einschränkungen zugänglich zu machen. Dabei ist das Ziel, allen Menschen die Möglichkeit zu geben, die Unterwasserwelt zu erleben – unabhängig von physischen oder mentalen Barrieren. Wir bei Scubanana setzen uns dafür ein, dass eine Behinderung dir nicht im Weg steht wenn du die Unterwasserwelt erkunden möchtest.
Warum ist Inklusives Tauchen wichtig?
Die Welt des Tauchens ist für viele Menschen nicht nur ein neues Abenteuer, sondern auch eine psychische Bereicherung. Das wird jeder bestätigen, der schon einmal schwerelos durch einen Fischschwarm getrieben ist oder einen Rochen bei der Jagd beobachtet hat. Doch lange Zeit war es nur einer ausgewählten Gruppe von Menschen zugänglich. Die Entwicklung von inklusivem Tauchen ermöglicht es auch Menschen mit Einschränkungen dieses unglaubliche Erlebnis zu bieten.
Welche Möglichkeiten haben Menschen mit Behinderung, um das Tauchen zu entdecken?
Jeder, der mit dem Tauchen beginnt muss sich zunächst die Frage stellen, ob es medizinische Gründe gibt, die dagegensprechen.
Tauchen ist ein Sport, der in einer sogenannten hyperbarischen (Überdruck) Umgebung ausgeübt wird, und auch wenn Tauchen heute dank aller wissenschaftlichen Fortschritte sehr sicher ist, bedeutet dies nicht, dass Tauchen komplett risikofrei wäre. Deshalb muss jeder Taucher zu Beginn eine medizinische Selbstauskunft ausfüllen und ggf. die Meinung eines Arztes einholen, ob das Tauchen uneingeschränkt ausgeführt werden kann. Lies dazu gerne mehr in unserem Blogeintrag zu diesem Thema.
Sobald medizinisch alles geklärt ist, gibt es zwei Möglichkeiten: einen Schnuppertauchgang oder den PADI Open Water Diver Kurs.
Im Allgemeinen gilt, egal welche Einschränkung du hast, besprich dich, bevor du in unser Tauchcenter kommst mit uns. Wir arrangieren gerne ein Treffen oder Telefonat, um zu besprechen, wie wir deine Tauchgänge gestalten können. Wir haben speziell auf das inklusive Tauchen geschulte und erfahrene Tauchlehrer, die dir gerne weiterhelfen.
Schnuppertauchen mit Behinderung
Beim Schnuppertauchen erlangt man keinen Tauchschein. Es ist also möglich die Unterwasserwelt im begrenzten Freiwasser zu entdecken, ohne für Examen zu büffeln. Dennoch müssen die Grundsätze des Tauchens verstanden werden. Dafür starten wir jeden Schnuppertauchgang mit einer theoretischen Einheit, bei der wir auch Besonderheiten und individuelle Unterstützung besprechen können.
PADI Open Water Diver Kurs mit Behinderung
Wir werden regelmäßig gefragt, ob es möglich ist, einen Open Water Diver Kurs zu absolvieren und eine Zertifizierung zu erlangen, auch wenn man eine Behinderung hat. Die allgemeine Antwort ist JA. Niemand ist vom Tauchen ausgeschlossen, solange alle Leistungsanforderung erfüllt werden können. Lasst uns diese mal genauer anschauen.
Der PADI Open Water Diver Kurs beginnt mit Theorie. Diese wird klassischerweise in einem E-Learning vor Beginn des Kurses abgeschlossen. Das bietet den Vorteil, dass es keine zeitliche Begrenzung gibt, um die Inhalte zu lernen und jeder in seinem eigenen Tempo arbeiten kann. Das E-Learning besteht aus Texten, Bildern und Videos zur Veranschaulichung, sowie Wiederholungsfragen und Quizzen. Alternativ können wir auch über die Möglichkeit sprechen die Theorie im Center gemeinsam zu erarbeiten. Das verlängert die Dauer des Kurses natürlich.
Im Anschluss kommen mehrere Tauchgänge mit verschiedenen Übungen, die absolviert werden müssen. Für jede Übung gibt es Leistungsanforderungen, jedoch eine gewisse Flexibilität in der Ausführung und das Equipment kann individuell an den Taucher angepasst werden, um die Ausführung zu ermöglichen.
Zur Veranschaulichung nehmen wir das Beispiel der Übung „Wiedererlangen des Lungenautomaten“. Bei dieser Übung wird der Atemregler aus dem Mund genommen und muss von hinter der Schulter zurückgeholt werden. Klassischerweise wird dies durch die Verlagerung des Körpers auf die rechte Seite und eine große kreisförmige Bewegung des rechten Armes durchgeführt. Wenn dies aufgrund einer körperlichen Einschränkung nicht möglich ist, könnten wir entweder die Ausführung oder das Equipment anpassen. Anstelle des großen Kreises kann zum Beispiel hinter den Kopf gegriffen werden, um an der sog. ersten Stufe den Schlauch des Atemreglers zu ertasten und diesen somit wiederzufinden. Eine andere Option wäre es einen Atemregler zu verwenden, der sich so umbauen lässt, dass dieser von der linken Seite anstatt von der rechten Seite zum Körper angebracht ist, usw.
Was wir also nicht ändern können, sind die Leistungsanforderungen, jedoch können wir viele individuelle Wege finden, um diese zu erreichen.
Tauchen für zertifizierte Taucher mit Behinderung
Wenn die Hürde des PADI Open Water Diver Kurses bewältigt und eine Zertifizierung erlangt wurde, kann man entweder mit anderen zertifizierten Tauchern tauchen oder an geführten Tauchgängen teilnehmen. Der Taucher mit Behinderung weiß in der Regel zu dem Zeitpunkt ob und welche Unterstützung von einem Guide oder Buddy gebraucht wird und kann dies offen vermitteln, um das richtige Center und den richtigen Tauchgang für sich zu finden.
Wie kann ich meinen Buddy mit Behinderung unterstützen?
Für die gezielte Unterstützung beim Tauchen wurde der PADI Adaptive Support Diver Kurs entwickelt. Dieser Kurs richtet sich an zertifizierte Taucher, die lernen möchten, wie sie einen Tauchbuddy mit physischen oder geistigen Einschränkungen sicher unterstützen können.
Der Kurs besteht aus einer theoretischen Ausbildung, die das Verständnis für die unterschiedlichen Fähigkeiten von Tauchern mit Behinderungen und die Entwicklung von Anpassungstechniken umfasst, praktischen Übungen und der Durchführung von Tauchgängen mit einem Buddy, der Unterstützung benötigt, unter Anleitung erfahrener Tauchlehrer, sowie Sicherheitsaspekten: dem Erlernen von Sicherheitsprotokollen und Notfallmanagement in speziellen Situationen.
Voraussetzungen:
-
- Mindestens 15 Jahre alt
- PADI Open Water Diver oder höher
- Abgeschlossener EFR Primary and Secondary Care Kurs innerhalb der letzten 24 Monate
- Empfohlen: PADI Peak Performance Buoyancy Kurs
Dieser Kurs fördert nicht nur das technische Wissen, sondern auch das Einfühlungsvermögen und die Kommunikationsfähigkeiten, die für das sichere Tauchen mit unterstützungsbedürftigen Buddys erforderlich sind und bietet somit die perfekte Möglichkeit zu Lernen deinen Buddy gezielt zu unterstützen. Kontaktiere uns gerne und wir schicken dir weitere Informationen zu dem Kurs zu.
Wie können Menschen mit komplexen Behinderungen Tauchen?
Wenn du aufgrund von den PADI Richtlinien oder dem medizinischen Voraussetzungen nicht tauchen kannst, gibt es auch die Möglichkeit dich an die HSA zu wenden. Die Handicapped Scuba Association (HSA) ist eine weltweit tätige, gemeinnützige Organisation und bietet speziell entwickelte Ausbildungsprogramme für Taucher mit unterschiedlichen Fähigkeiten an. Ihr Multilevel-Zertifizierungssystem berücksichtigt individuelle Bedürfnisse und Fähigkeiten, sodass Taucher mit Behinderungen in verschiedenen Stufen ausgebildet werden können. Im Gegensatz zu dem PADI System gibt es also nicht nur eine Zertifizierung, sondern verschiedene Abstufungen.
Fazit
Inklusives Tauchen öffnet die faszinierende Welt unter Wasser für alle – unabhängig von körperlichen oder geistigen Einschränkungen. Mit individuell angepasster Ausrüstung, geschultem Personal und einer flexiblen Ausbildungsphilosophie zeigt sich: Tauchen ist kein Privileg, sondern eine Möglichkeit, die vielen Menschen neue Perspektiven, Freiheit und Selbstvertrauen schenkt. Ob Schnuppertauchgang oder zertifizierter Kurs – mit der richtigen Vorbereitung und Unterstützung ist fast alles möglich. Wichtig ist der offene Dialog, medizinische Abklärung und ein erfahrenes Team, das auf individuelle Bedürfnisse eingeht.
Um deinen individuelle Kurs oder Tauchgang zu organisieren, kontaktiere uns gerne und wir sprechen gemeinsam über das Was und Wie.